Button suchen

TEAM EVI ALLEMANN
Bundeshaus
3003 Bern

info@eviallemann.ch
Kontaktformular
PC 30-781377-8

Votum anlässlich der Jugenddebatte im Nationalrat

19. Dezember 2007


Es gilt das gesprochene Wort.

 «Wenn ich die junge Generation anschaue, verzweifle ich an der Zukunft der Zivilisation», meinte Aristoteles. Und Sokrates fügte an: «Die jungen Leute widersprechen ihren Eltern und tyrannisieren ihre Lehrer.»
Die Klagen über das Verhalten der Jugend und die Verdorbenheit der jungen Generation sind wohl so alt wie die Menschheit. Gleichzeitig gilt jugendliches Auftreten und äusserliches Jung sein heute als dynamisch und erstrebenswert – frei nach der
Devise „Jeder will alt werden, aber niemand alt sein“. 

Wenn wir heute über die Kinder und Jugendlichen sprechen, ist dies in einem hohen Masse eine Stellvertreter-Debatte. Die direkt Betroffenen schauen uns von oben über die Schultern – und ich hoffe, liebe Kinder und Jugendliche auf der Tribüne, dass wir in der Debatte euren vielschichtigen Bedürfnissen und unterschiedlichen Lebensumständen einigermassen gerecht werden. Wenn Politikerinnen und Politiker über Jugendliche sprechen, geht es meist um Problemfälle, um Jugendliche die kiffen, randalieren, rum hängen, sich besaufen oder prügeln. Eine ganzheitliche Kinder- und Jugendpolitik muss aber auch jener Mehrheit der Jungen Beachtung schenken, welche sich in die Gesellschaft integrieren will, die verantwortungsbewusst ihren Alltag gestaltet und die hoffnungsvolle Zukunft unseres Landes ist.
 

Zweidrittel aller Vorstösse, über die wir heute sprechen, kommen von der SP-Fraktion. Im Fokus haben wir dabei nicht eine bestimmte Gruppe von Jugendlichen, sondern die junge Generation als Ganzes, in ihrer gesamten Vielfalt. Ziel muss es sein, die Situation der Kinder und Jugendlichen zu stärken.
 

Das heisst, sie als jüngste Mitglieder unserer Gesellschaft ernst zu nehmen, sie einzubinden in den politischen Prozess, sie zur Partizipation zu ermutigen.
 

Das heisst aber auch: Mitgestaltungsmöglichkeiten zu offerieren und gleichzeitig Verantwortung zu übergeben, aber auch Verantwortung einzufordern. Verantwortung im Umgang mit Konflikten etwa oder bei der Freizeitgestaltung.
 

Kinder und Jugendliche stärken heisst auch, Perspektiven zu bieten, schulische, berufliche, aber auch gesellschaftliche. Perspektiven sind Chancen. Chancen, die nicht auf dem Silbertablett serviert werden, die sich aber in Kombination mit Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft in eine aussichtsreiche Zukunft verwandeln können.
 

Kinder und Jugendliche stärken heisst, die Bedürfnisse der Jungen ernst zu nehmen, sie ihren Fähigkeiten gemäss zu fördern und zu integrieren – in der Familie, in der Schule, in der Freizeit. Aber es heisst auch, Grenzen zu setzen und dann entschlossen Halt zu sagen, wenn Gewalt und Delinquenz ins Spiel kommen.


Um die Jugendgewalt nachhaltig einzudämmen, brauchen wir einen intelligenten Mix aus repressiven und präventiven Massnahmen – und eine optimale Vernetzung aller Akteure auf den verschiedenen Ebenen. Dazu fordern wir eine nationale Konferenz zur Jugendgewalt.
 

Denn wir brauchen eine Politik, welche die Jugendgewalt nachhaltig eindämmt und zwei bislang oft getrennte Handlungsebenen vereint: die kurzfristige Intervention und die langfristige Ursachenbekämpfung und Prävention. Wir brauchen eine Kultur des Hinschauens, klare Grenzen, aber auch soziale Integrationsmassnahmen zur Gewaltprävention.
 

In diesem Sinne appelliere ich an ein weitsichtiges Abstimmungsverhalten bei all jenen Vorstössen, welche als Mosaiksteine zu einer zukunftsgerichteten Kinder- und Jugendpolitik beitragen. Denn beim Stichwort „Jugend“ sollte uns mehr in den Sinn kommen als Probleme – zum Beispiel unsere Zukunft.