Der Amoklauf von Winnenden oder der Mord auf dem Volkiland-Parkplatz rütteln auf und lassen uns schaudern. Denn wir wissen: Winnenden und der Volkiland-Parkplatz können überall sein – auch bei uns in unseren Städten und Dörfern. Solche Vorfälle sind kein Alltäglichkeit, aber Einzelfälle sind es leider auch nicht. 300 Menschen sterben jährlich infolge eines Schusswaffenmissbrauchs. Alle lassen sich kaum je verhindern; die gewalt- und risikolose Gesellschaft gibt es nicht. Und trotzdem muss die Politik alles daran setzen, damit das Risiko, dass in Zukunft weitere solche Taten verübt werden, so klein wie möglich wird.
Verbrecher, die kühl planen und eine hohe kriminelle Energie aufweisen, werden sich immer eine Waffe beschaffen können, sowohl bei einem lockeren als auch bei einem sehr restriktiven Waffengesetz. Aber: Die meisten Waffenmissbräuche betreffen Affekthandlungen, Drohungen im Rahmen der häuslichen Gewalt oder Beziehungsdelikte, bei denen es nicht um kühle Planung, sondern um Kurzschlusshandlungen geht. Hier macht es einen grossen Unterschied, ob die Schusswaffen griffbereit im eigenen Haushalt zur Verfügung stehen oder nicht. Ein massiver Risikofaktor ist also die Verfügbarkeit von Schusswaffen. Um diese einzuschränken, braucht es einen ganzen Strauss von Massnahmen. Dazu gehört die Lagerung der Armeewaffen im Zeughaus – quasi die „Flagschiff-Forderung“ aus dem Massnahmenkatalog für mehr Schutz vor Waffengewalt. Die Armeewaffe im Estrich oder im Schlafzimmerschrank ist ein unverantwortbares Sicherheitsrisiko. Würden Armeewaffen künftig gesichert im Zeughaus gelagert, würde immerhin rund eine Viertelmillion Waffen aus den Privathaushalten verschwinden, was aber nur rund 10% aller Feuerwaffen entspricht. Sprich: Das Problem löst diese Massnahme nur teilweise. Hauptgrund für die enorm hohe Dichte an Feuerwaffen in Schweizer Haushalten ist die Überlassung der Ordonnanzwaffe an ausgemusterte Armeeangehörige. Rund 1,7 Mio. von 2,3 Mio. Feuerwaffen sind von der Armee über das ganze Land verteilt worden. Bund und Kantone haben es in der Hand, mit gezielten Einsammelaktionen die Waffendichte zu reduzieren und damit für mehr Sicherheit zu sorgen. Ebenso so wichtig ist, dass wer Waffen besitzen, tragen und gebrauchen will, dafür den Bedarf nachweisen und die erforderlichen Fähigkeiten mitbringen muss. Zudem sollen alle Waffen zentral registriert werden, was die Verhütung und Verfolgung von Verbrechen massgeblich verbessern würde. Wie eingangs erwähnt: Wir können den Schusswaffenmissbrauch nie ganz ausschliessen. Aber wir können mit konkreten Massnahmen die Risiken massiv reduzieren. Heute besteht die Chance, den Schutz vor Waffengewalt zu erhöhen, die 2.3 Millionen Feuerwaffen in Privatbesitz einzuschränken und alle Waffen zu registrieren. Wer heute nicht mithilft, macht sich mitschuldig, wenn mit solchen Waffen morgen wieder grauenhafte Morde begangen werden. |