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Der undifferenzierte Schrei nach immer mehr Härte ist derzeit ein populärer Trend und er ist einfach. Zu einfach um den komplexen Problemen gerecht zu werden, denen wir gegenüberstehen. Klar ist aber auch: Im Strafrecht, bei der Gewaltprävention und beim Opferschutz herrscht Handlungsbedarf.
Es gilt das gesprochene Wort.
Wenn jugendliche Schläger scheinbar grundlos Unbekannte spitalreif schlagen, wenn Fussballstadien zu „No go areas“ für Familien werden oder wenn Raser die Verkehrssicherheit und Menschenleben gefährden, dürfen wir nicht wegschauen. Doch bei aller Dramatik gewisser Fälle dürfen wir uns nicht nur durch Emotionen leiten lassen, sondern müssen mit kühlem Kopf und der nötigen Gelassenheit wirksame Lösungen suchen. Es ist richtig dort Kritik am Strafrecht anzubringen, wo sie gerechtfertigt ist, etwa bei der bedingten Geldstrafe, die in der Tat zu absurden Ergebnissen führt. Gleichzeitig dürfen wir nicht ins banale Lied der Vereinfacher und Schaumschläger einstimmen, die mit ihren Heilsversprechungen vorgaukeln, allein mit einem schärferen Strafrecht seien alle Missstände vom Tisch. Vielmehr müssen wir unser feinjustiertes Strafrechtssystem neu eichen – und das braucht Fingerspitzengefühl, eine hohe Sensibilität für lange erkämpfte Errungenschaften wie die Einzelfallbeurteilung, die Rechtsstaatlichkeit, das Verhältnismässigkeitsprinzip. Dabei geht es etwa darum, ein faires Gleichgewicht zwischen Gewalt- und Vermögensdelikten herzustellen oder einen geschickten Mix aus Prävention und Repression hinzukriegen. Schon Sokrates sagte einst: «Die jungen Leute widersprechen ihren Eltern und tyrannisieren ihre Lehrer.» Die Klagen über das Verhalten der Jugend und die Verdorbenheit der jungen Generation sind wohl so alt wie die Menschheit. Auch bei der Jugendgewalt gilt: Repression allein ist ebenso falsch wie Prävention allein. Gegen Jugendgewalt antreten heisst einerseits, die Bedürfnisse der Jungen ernst zu nehmen, sie ihren Fähigkeiten gemäss zu fördern und zu integrieren – in der Familie, in der Schule, in der Freizeit. Aber es heisst auch, Grenzen zu setzen und dann entschlossen Halt zu sagen, wenn Gewalt und Delinquenz ins Spiel kommen. Wem es ernst ist mit griffigen Massnahmen gegen Jugendgewalt, der oder die muss auf beiden Augen gut sehen: auf dem präventiv-weitsichtigen sowie auf dem repressiv-kurzfristigen. Am Schluss möchte ich für ein Thema noch besonders eine Lanze brechen: für ein Verbot von Killergames. Wenn am Bildschirm Köpfe abschlagen, vergewaltigen oder erschiessen immer realistischer geübt werden kann, verwundert es wenig, dass immer mehr Studien einen starken Zusammenhang zwischen Killerspielen und Gewalthandlungen feststellen. Mit Ihrem Ja zu meiner Motion können Sie ein klares Zeichen für weniger mediale Gewalt setzen. Vielen Dank! |